Gutulia. Foto: Kentaroo Tryman.Gutulia. Foto: Kentaroo Tryman.

Gutulia

Gutulia ist der Nationalpark der silbergrauen abgestorbenen Waldkiefern und der zerzausten alten Fichten. Vom unberührten Wald hebt sich Gutulisetra ab – eine Alm, die seit den 1750er Jahren von Mensch und Vieh genutzt und gepflegt wurde.

Ausblick von der höchsten Erhebung

Gutulia ist der kleinste norwegische Nationalpark. Trotz seiner geringen Größe ist er sehr variationsreich. Vom höchsten Berg des Gebietes, dem 949 Meter über den Meeresspiegel ragenden Gutulivola mit baumlosem und sanft gerundetem Gipfel, überblicken Sie fast den ganzen Nationalpark. Gegen die Gebirgsregion Femundsmarka im Norden zeichnet sich Baklivola ab, die zweithöchste Erhebung des Gebietes. Zwischen den Bergen liegt ein hübsches Tal mit offenen, zipfeligen Mooren. Es erstreckt sich in Richtung des Valsjøen, dessen Wasserfläche sich – einem großen blauen Auge gleich – in der nordöstlichen Ecke des Nationalparks befindet.

Die Hänge im Gutulia-Gebiet sind mit altbestehenden Wäldern bewachsen, die für hiesige Verhältnisse außergewöhnlich üppig sind. Der See Gutulisjøen und der Wasserlauf Gutua bilden die westliche Grenze des Nationalparks.

Gutulisetra – die schönste Alm der Gegend

Am Hang am südöstlichen Ende des Sees Gutulisjøen liegt Gutulisetra. Zu der schönen Alm gehören drei Weiden: Nedpåvollen, Oppåvollen und Lillebovollen. Die sonnenverbrannten Blockhäuser wirken idyllisch, aber das Almleben war von harten Arbeiten wie Mähen, Melken und Milchverarbeitung geprägt.

Ab 1755 trieben die Bauern der Höfe Lillebo und Sorken am See Femunden ihr Vieh jeden Sommer zum Weiden an den Gutulisjøen, und man konnte hier das Läuten der Kuhglocken und die Rufe der Almmädchen hören. Bis 1949 wurde auf Gutulisetra Sennwirtschaft betrieben. Dann wurden die alten Gebäude dem Verfall preisgegeben, bis das Norwegische Umweltministerium die dreizehn in Blockbauweise errichteten Häuschen schließlich in den Jahren 1975 bis 1983 durch Handwerker mit entsprechenden Fachkenntnissen restaurieren ließ.

Auch wenn die Flächen von Gutulisetra schon lange nicht mehr mit der Sense gemäht werden, sind die Gebäude im Sommer immer noch von blühenden Wiesen mit Arten wie Rundblättrige Glockenblume, Margerite, Knöllchen-Knöterich und Echte Mondraute umgeben.

Begegnung mit Riesenbäumen

Die Waldkiefern und Gemeinen Fichten im Gutulia-Gebiet haben mehrere Menschengenerationen überlebt. Mithilfe Bohrproben aus den Stämmen konnte das Alter der Bäume berechnet werden. Einige der Fichten sind über 300 Jahre alt, und die ältesten Waldkiefern sind sogar älter als 400 Jahre! Torfrau (Riesenkiefer) und Stergiani (Riesenfichte) in der Nähe von Gutulisetra sind zwei der prachtvollsten Exemplare.

Viele der alten Bäume im Nationalpark Gutulia sind für hiesige Verhältnisse außergewöhnlich hochgewachsen. Dass zahlreiche Bäume über 30 Meter hoch sind, erklärt sich nicht nur durch deren Alter, sondern auch durch den relativ nährstoffreichen Boden.

Weil der Wald weitgehend sich selbst überlassen wurde, gibt es hier viele tote Bäume: vom Harz mumifizierte Waldkiefern, die nach dem Absterben beharrlich stehen geblieben sind, morsche alte Fichten und umgefallene Fichtenstämme, die komplett mit Moos bewachsen sind.

Uralter Wald

Im Gutulia-Gebiet können Sie sich ein Bild davon machen, wie die Wälder Skandinaviens vor dem Einzug der Fortwirtschaft aussahen. Dass es hier nicht viele Spuren von Äxten und Sägen gibt, hängt sicherlich auch mit den geografischen Gegebenheiten zusammen: Die Wasserläufe fließen Richtung Schweden, und das erschwerte den Holztransport nach Westen.

Um die Bergweiden wurde in geringem Umfang Bau- und Brennholz geerntet. Deshalb steht der älteste Wald des Nationalparks an den Hängen auf der anderen Seite des Berges Gutulivola.

Von Bränden geprägt

Die Wälder im Nationalpark Gutulia waren mehrmals von Bränden betroffen, zuletzt in den 1860er Jahren. Bis heute kann man verbrannte Baumstümpfe und andere Spuren der Flammen erkennen.

Tiere und Pflanzen

Der altbestehende Wald mag auf den ersten Blick leblos wirken. Aber der Schein trügt! Hier gibt es viele Vögel, und Vielfraß, Braunbär, Wolf und Luchs besuchen den Nationalpark regelmäßig. Leichter zu sehen als diese vier größten schwedischen Raubtiere ist der majestätische Steinadler, der auf der Suche nach Futter regelmäßig über dem Gutulia-Gebiet patrouilliert.

Die meisten Lebewesen im Wald sind klein. Es handelt sich um Käfer, Flechten und Moose, die auf alten und morschen Baumstämmen leben.

Einige der Bewohner des Nationalparks Gutulia hinterlassen deutliche Anzeichen ihres Daseins. Ein aufgegrabener Ameisenbau geht möglicherweise auf einen futtersuchenden Bären zurück. Die Löcherlinien in der Rinde von Fichten macht der Dreizehenspecht. Und seit der Biber in den 1960er Jahren in das Gebiet zurückkehrte, hinterlässt er am Fluss Gutua unübersehbare Spuren.

Rentierweideland

Das Gutulia-Gebiet gehört zum Rentierweidedistrikt Elgå, dem südlichsten samischen Weideland Norwegens. Hier grasen Tiere, die den Samen der Rentierzuchtvereinigung Svahken Sijte gehören.

Auf eigene Faust

Vom Parkplatz außerhalb des Nationalparks aus führt ein circa 3 Kilometer langer Pfad zur ehemaligen Alm Gutulisetra. Auch zu den Bäumen Storfurua, circa i Kilometer südlich von Gutulisetra, und Storgrana, ungefähr 500 Meter nördlich von Gutulisetra, führen kleine Pfade. Ansonsten gibt es im Nationalpark keine markierten Wege. Wenn Sie Karte und Kompass bei sich haben und über einen einigermaßen guten Orientierungssinn verfügen, können Sie das Gutulia-Gebiet aber auf eigene Faust erkunden.

Bitte zelten Sie nicht auf der Alm, sondern am Lagerplatz beim Fluss Gutua.

Gutulia - Klicken Sie auf die Karte, um eine vergrößerte Ansicht zu sehen (öffnet sich in einem neuen Fenster)

Markierung des Gutuliavola-Gipfels.Markierung des Gutuliavola-Gipfels.

Blühende Margeriten bei den Gebäuden.Blühende Margeriten bei den Gebäuden.

Im 17. Jahrhundert eine kleine Waldkiefer – heute ein Riesenbaum. Foto: Marcus Elmerstad.Im 17. Jahrhundert eine kleine Waldkiefer – heute ein Riesenbaum. Foto: Marcus Elmerstad.

Löcherlinien des Dreizehenspechts. Foton: Marcus Elmerstad.Löcherlinien des Dreizehenspechts. Foto: Marcus Elmerstad.

Der Fluss Gutua macht die Südgrenze des Nationalparks aus.Der Fluss Gutua macht die Südgrenze des Nationalparks aus.

Übrige Fotos: Naturcentrum AB.

Links

Norwegisches Direktorat für Naturverwaltung 1 »

Norwegisches Direktorat für Naturverwaltung 2 »

Gemeinde Engerdal »

 

Buchtipp

Lauritzen, P. R. & Vangen, O. 2007: Femundsmarka och Gutulia. Norges Nasjonalparker. Den Norske Turistforening og Statens naturoppsyn/Direktoratet for naturforvaltning.

Besucher dürfen:

  • sich zu Fuß und auf Skiern fortbewegen.
  • häufige Pflanzen, Beeren und Pilze für den eigenen Gebrauch sammeln.
  • zelten, aber ohne Erlaubnis des Regierungspräsidenten nicht länger als eine Woche an derselben Stelle.
  • entsprechend den geltenden Regeln fischen.
  • behutsam mit trockenen Zweigen oder mitgebrachtem Feuerholz Feuer machen. Aber denken Sie bitte an das generelle Feuerverbot in norwegischen Waldgebieten vom 15.4. bis 15.9.

Besucher dürfen nicht:

  • Böden, Steine oder Vegetation schädigen.
  • lebende oder tote Bäume oder umgefallene Baumstämme schädigen.
  • die Tierwelt stören.
  • Kulturdenkmäler beschädigen.
  • Kraftfahrzeuge oder Rad fahren.
  • organisierte Touren mit Pferden unternehmen.
  • motorbetriebene Eisbohrer verwenden.
  • die Natur verschmutzen und Abfälle liegen lassen.
  • länger als eine Woche an derselben Stelle zelten.

Die vollständigen Vorschriften finden Sie hier »

Es müssen auch andere Gesetze und Regeln beachtet werden. Weitere Informationen finden Sie hier »

Zweck der Unterschutzs-tellung ist es

  • eine weitgehend unberührte Wald-, Moor- und Gebirgsgegend zu erhalten.
  • die natürliche biologische Vielfalt mit einer einzigartigen Flora und Fauna zu erhalten.
  • Kulturdenkmäler zu schützen.

Kurzfakten

Gründungsjahr: 1968. Erweiterungsjahr: 2004.
Name: Nationalpark Gutulia.
Fläche: 23 Quadratkilometer.
Gemeinde: Engerdal.
Provinz: Hedmark.
Grundeigentümer: Staatlicher Grund.
Aufsicht Sicherheitsvorschiften: Norwegische Naturaufsichtsbehörde.
Gebietsverwaltung: Regierungspräsident der Provinz Hedmark.